weilheim auf achse
TIED + TICKLED TRIO, MS JOHN SODA, CONSOLE, COUCH, LALI PUNA, THE NOTWIST

28. + 29. 10. 2003

wien, wuk

dabei: hermann und costa

Erster Abend: TIED + TICKLED TRIO, MS JOHN SODA, CONSOLE (costa)

Warum das TIED + TICKLED TRIO heißt wie es heißt, werde ich wohl nie verstehen. Jedenfalls standen da weit mehr als drei Akteure auf der Bühne um ihre recht einzigarte Mischung aus Jazz, Dub und Elektronik vorzustellen. Der Soundteppich, den der Herr an den Knöpfchen gemeinsam mit der Rhythmusfraktion da bastelte, verführte noch den überzeugtesten Nichttänzer zum Mitwippen. Dazu setzten die Bläser ihre Hooklines, die einen schnell gefangennehmen und für den Pop von T+TT stehen. Womit ich und all jene zu kämpfen hatten, die sich eine genauere Auseinandersetzung mit Jazz für die Rentenzeit aufsparen, waren die Sax-Solis, die von mir aus gerne gekürzt oder sogar weggelassen werden könnten. Hatten wir nicht schon bei Gitarrensoli festgestellt, dass das nur in den seltensten Fällen als unprätentiös zu billigen sei? Oder so: Ist Saxofon-Gewichse besser als Gitarren-Gewichse? Auf dem Album "Observing Systems" scheint mir das Gleichgewicht gut gehalten, und die Platte (Morr) ist mehr als empfehlenswert. Live würde es mir besser gefallen, die Bläser würden sich hier und da etwas zurücknehmen. Trotzdem ein toller Auftakt einer spannenden Band.

MS JOHN SODA begeisterten mich zuletzt bei der Popkomm im Sommer und ich schürte die Erwartungen der Anderen mit meinen Vorschusslorbeeren. Diese wurden keinesfalls enttäuscht. Im Gegenteil scheinen MS JOHN SODA von mal zu mal besser zu werden. Im Konzert fingen MS JOHN SODA eher ruhig und elektroniklastiger an, um sich dann immer mehr einem fetten Indie-Rocksound zu nähern, der vor allem bei den neuen Stücken ein hohes Level auf der Gänsehautskala erreichte. MS JOHN SODA haben LALI PUNA, deren Ansatz nicht unähnlich ist, längst mit einem Höllentempo überholt.

Dann kamen CONSOLE. Die perfekte Inszenierung wurde noch von Visuals unterstützt und schon nach ein paar Takten war klar, dass es sich hierbei um eine Band handelt, die nichts mehr mit den subtileren Sounds der ersten beiden Platten von Martin Gretschmann zu tun hatte, sondern um einen Pop-Entwurf, der jeden Saal zum kochen bringen möchte. Der Noise wurde zurückgeschraubt und alles knallte, knallte, knallte. Gegen Ende (sie hatten die alten Hits schon gespielt und zum Teil jeglichen Charmes beraubt) rutschte das ganze immer mehr in eine Techno-Veranstaltung der früheren 90er Jahre ab und ich suchte mir eine Couch um diese Enttäuschung erst einmal zu verdauen.

Zweiter Abend: COUCH, LALI PUNA, THE NOTWIST (hermann)

Von COUCH kannte ich vorher eigentlich nur ihren Beitrag zum "Einigen wir uns auf die Zukunft"-Sampler. Postrock auf Platte halt, und der hat mich nie besonders angesprochen. Es war mir deswegen nicht wichtig, pünktlich zum Konzert zu kommen, aber nach drei Minuten im Saal habe ich das bereut: COUCH waren definitiv die Überraschung des Abends. Mit deutlich räudigerem Sound als die beiden anderen Bands ließen sie es krachen und wummern. Derart kraftvollen, melodiösen, einfach schönen Gitarrenlärm, noch zwingender, wenn das Keyboard durch eine dritte Gitarre ersetzt wurde, hatte ich nicht erwartet. Keine Spur von gepflegter Langeweile, COUCH hätten ruhig noch eine halbe Stunde drauflegen können.

An dieser Stelle übrigens ein großes Dankeschön an das WUK: Soundmäßig sind sie immer noch die Besten in der Stadt, auch wenn das Flex stark aufgeholt hat.

LALI PUNA mag ich ja eigentlich, aber dieses Mal kamen sie leider ein bisschen unter die Räder meiner eben erwachten COUCH-Euphorie. Ihren vergleichsweise gefälligen, elektronischen Sound und den eher gemächlichen Beginn empfand ich als veritablen Durchhänger. Der guten Stimmung im Saal, ihren kleinen Hits und dem Umstand, dass sie gegen Ende immer rockiger wurden, konnte ich mich allerdings nicht lange entziehen, und so kriegten sie mich doch noch. Ein passabler Auftritt.

NOTWIST spielen ja inzwischen in einer eigenen Liga, finde ich. Sie machen wunderbare Platten, waren letztes Jahr im Flex unglaublich gut. Ihre Konzerte leben von der Neudeutung ihres eigenen Oeuvres, dem Wechsel zwischen verschiedenen Genres und der Spannung zwischen den neueren Stücken mit ihren elektronischen Sounds und den älteren rockigen. Was sie tun, wirkt sehr ausgeschlafen und virtuos, diese Herrschaften wissen genau, wie man eine Halle rockt, und es macht Spaß, ihnen dabei zuzuhören/zuzuschauen und von ihnen mit langen Intros auf die Folter gespannt zu werden. Nach genialem Beginn mit zwei Songs, die ich nicht kannte, beschlich mich allerdings ab und zu das Gefühl in ein Best-of-Programm geraten zu sein, wenn auch in ein sehr inspiriertes. Mir zumindest fehlten die Neuigkeiten für einen ähnlich bewegenden Auftritt wie 2002. Trotzdem Tausend Dank (um mit Herrn Acher zu sprechen, sie wirken ja auch noch so nett) und kommt bald wieder, und bitte mit neuen Songs im Gepäck!