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| SOPHIA (mit THE ALBUM LEAF) |
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26. oktober, 2004
ort: szene wien
hermann
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Ein krasser Fall von Unaufmerksamkeit. Oder ein Musterbeispiel für die Möglichkeiten eines leistungsfähigen Vertriebs, oder vielleicht beides zugleich.
Da spielen SOPHIA zum zweiten Mal binnen acht Monaten in einer ausverkauften Szene Wien, und ich frage mich angesichts des Andrangs und der Begeisterung der BesucherInnen, wie mir diese Band, oder besser: dieses Projekt von Robin Proper-Sheppard derart entgehen konnte. Warum hat mir so lange niemand gesagt, dass Herr Proper-Sheppard Anfang der 90er ein Mitglied von THE GOD MACHINE war, einer jener Bands aus John Peel- (R.I.P.)/
Nachtexpress-Zeiten (als Ö3 noch hörbare Musiksendungen brachte), die sich tief in mein Gedächtnis gegraben hatten, obwohl ich keine Platten von ihnen habe? So was zieht doch immer, um mich für eine Band zu interessieren. Die Beanspruchung als Papa ist auch keine besonders gute Ausrede, die erste SOPHIA-Platte erschien 1996, das Projekt ist also mehr als doppelt so alt wie unsere Tochter.
Dann muss ich es wohl auf die Entscheidung Proper-Sheppards schieben, bei der dritten Studioplatte mit einem größeren deutschen Vertrieb, City Slang, zusammenzuarbeiten, was sicher einen Teil des Erfolges ausmachte. Die ersten drei SOPHIA-Platten (zwei im Studio, eine live) auf dem eigenen Label The Flowershop Recordings hatten ja nicht diese (mediale) Aufmerksamkeit. Natürlich hat hierzulande die tätige Mithilfe von FM4 das ihrige dazu beigetragen, wofür sich Proper-Sheppard während des Konzerts auch sehr herzlich bedankte.
THE ALBUM LEAF aus Kalifornien, ebenfalls im City Slang-Vertrieb, machten den Anfang. Ihre Kombination aus elektronischen Sounds, elektrisch verstärkter Geige und echtem Schlagzeug ergab zwar dichte, unaufgeregte Tracks in Moll, auf die Dauer schrammten sie für meinen Geschmack aber zu sehr an der Grenze zur Klangtapete entlang, einen Eindruck, den erst die Stücke mit Gesang gegen Ende ihres Auftritts ein wenig widerlegen konnten. Etwas gleichförmig, aber ok.
In dieser Hinsicht hatte ich ja vor dem Konzert leichte Bedenken gegenüber SOPHIA, und die ersten Songs des Hauptacts schienen das dann auch zu bestätigen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wenn Robin Proper-Sheppard die Bühne betritt, ist klar, wer hier der Meister ist. Der Mann hat definitiv Entertainer-Qualitäten, er scherzt, erzählt Geschichten, führt sympathische Gespräche mit dem Publikum und bringt seine herzzerreißenden Lieder sehr, sehr überzeugend. Allerdings hörte man den ersten, langsameren Stücken das Streben nach dem perfekten Popsong deutlich an, das mitgebrachte Streicherensemble und ein Sound "wie auf Platte" ließen sie ein wenig geschmäcklerisch und etwas zu kunstvoll klingen. Daran änderte auch meine liebste ARAB STRAP-Nummer, die nicht von ARAB STRAP ist, "swept back", nur wenig. Proper-Sheppard ließ sich offensichtlich etwas Zeit damit, seine Erfahrung im härteren Fach auszuspielen.
Nach ihrem kleinen Hit "oh my love" wurden SOPHIA dann aber rockiger und lärmiger und zeigten, dass sie ihre drei, vier Gitarren nicht nur zum Angeben mitgebracht hatten. "the river song" erinnerte ein bisschen an SHELLAC, "desert song no. 2" endete nach dezentem Streicher-Beginn wunderbar im Feedback-Lärm, "if a change is gonna come…" schepperte dreimal besser als auf Platte. Zwischen diesen Energieschüben überzeugten jetzt auch die ruhigen Lieder, vor allem das tieftraurige "i left you" oder "bastards". Ja, Sophia waren unerwartet toll, und sie hätten ruhig noch eine Stunde so weiterspielen können für uns. Aber der Großteil des Publikums, das offenbar die meisten Songs gut kannte, war ohnehin schon die ganze Zeit über sichtlich begeistert.
bild vom wien-konzert © sophiamusic.net>>>>
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