SOPHIA (mit VITO)

15. + 28. april, 2006

in rom und köln

von stephan

15.04.2006 im Qube, Rom

Osterferien in Rom, wir machen um den Papst ein großen Bogen und landen im "Qube", einer Großraumdisco auf drei Etagen, jenseits der gängigen Touristenattraktionen, irgendwo an der städtischen Peripherie. Der freundliche Busfahrer hilft weiter und bald reihen wir uns in die mäßig große Schlange der sympathisch wirkenden Gleichgesinnten ein. Nach einer kleinen Weile wird der Pilgerstrom dann auch vorgelassen. Zunächst irrt er durch die Räumlichkeiten, bis sich auch der Letzte in der obersten Etage wieder findet. Nach kurzer Wartezeit betreten VITO die Bühne. Die von Robin Proper-Sheppard für das Flower Shop Label gesignte Band, bietet einen kraftvollen Set, der auf drei Leinwänden mit künstlerischen Filmchen untermalt wird. Instrumental wissen sie zu überzeugen, erinnern ihre Kompositionen doch an solch edle Indiegrößen, wie etwa MOGWAI und SIGUR ROS. Einzig der Gesang geht auf die Nerven. "Zu viel Pathos!" schießt es mir durch den Kopf, ein Eindruck, der sich bis zum Ende des recht kurzen Sets nicht mehr losschütteln lässt. Dann betritt Robin Proper-Sheppard die Bühne. Er spielt fünf akustische Versionen seiner Popsongs, die zumeist von seiner letzten SOPHIA Veröffentlichung stammen. Dazwischen kurze Geschichtchen; er erzählt von seiner Tochter und berichtet uns, dass er in einem römischen Plattenladen seinen ersten Akustikset überhaupt gespielt habe. Das Publikum wird lauter, zweimal muss Proper-Sheppard seine Songs abbrechen. Die Bässe der Gruftidisco stören zunehmend die Atmosphäre. Zum Glück kommen die Mitglieder von VITO zur Hilfe. Während sich die Halle immer mehr mit "Partypeople" füllt, fragt der zunehmend verärgerte Proper-Sheppard in Richtung des Veranstalters, ob es denn eine gute Idee sei, einen Akustikset zeitgleich mit einer Gruftidisko stattfinden zu lassen. Als die Geräuschkulisse immer undurchdringlicher wird, holt die Band zum großen Schlag aus. Der finale Rocksong wächst zum Statement aus. Den Rücken zum Publikum gekehrt, beginnen die Musiker mit ihrer Teufelsaustreibung. Schmerzend prasseln redundante Soundwälle auf die Zuhörer nieder. Auch der extreme Stroboskoplichteinsatz artet fast in Stress aus. Gebannt halten wir aus. Keine Zugabe. Wir sind beeindruckt, mit piependen Ohren verlassen wir den Konzertraum, werfen noch einen flüchtigen Blick auf die durchgestylten Gruftis im zweiten Stock. "First and Last and Always" kann das soeben gehörte nicht im Geringsten überlagern.

28.04.2006 im Blue Shell, Köln

Zwei Wochen später: Robin Proper-Sheppard und VITO im "Blue Shell" in Köln. Seit einiger Zeit versucht die traditionsreiche Bar mit einem ambitionierten Konzertangebot ihre historische Bedeutung zurückzuerlangen. Also reihen wir uns in die hoffnungslos überfüllten Räumlichkeiten ein und harren der Dinge. VITO machen wieder den Anfang und die Eindrücke des Romkonzertes bestätigen sich. Allein der Sound will sich in der schlauchartigen Bar nicht so richtig entfalten. Egal; das Kölner Publikum nimmt es nicht so genau und quittiert den Auftritt mit viel Applaus. Dann drängt sich Robin Proper-Sheppard auf die Bühne. Angesichts des kleinen Clubs bittet er das Publikum darum, sich auf den Boden zu setzten, was auch zwei Drittel der Anwesenden beherzigen und uns, im Hintergrund stehenden, einen unerwartet angenehmen Blick auf die Bühne verschafft. Dann beginnt der Set; in der intimen Atmosphäre der Bar erzielen die schönen Akustikversionen der SOPHIA-songs ihre Wirkung. Dennoch wirkt Robin Proper-Sheppard unentspannt. Bestellungen, Lachen und Gläserklirren: der Auftrittsort fordert seinen Tribut. Wiederholt hält Proper-Sheppard das Publikum in drastischen Worten und mit theatralischer Geste zur Ruhe an. Das divenhafte Gehabe sorgt für Unverständnis; seine Aggression überträgt sich schnell auf einen Teil des Publikums. Nach neun Nummern naht die Kavallerie. Die Mannen von VITO stöpseln ihre Instrumente ein. Im Lärm der Gitarren kanalisieren sich die ungünstigen Stimmungen. Nach zwei, drei kraftvollen Stücken verlässt die Band die Bühne und lässt eine begeisterte Menge zurück. Am Verkaufsstand zeigt sich Proper-Sheppard wider von seiner netten Seite. Er begrüßt die Fans mit Handschlag und findet Worte des Dankes. Als ich ihm sage, dass ich auch auf dem Romkonzert gewesen bin kann er dies kaum glauben. "Du warst da und bist trotz des schlechten Konzertes wiedergekommen?" Ich soll doch bitte von meinen gegensätzlichen (?) Eindrücken auf seiner Homepage berichten (mache ich jetzt hier). Seinen Dank unterstreicht er mit einem weiteren Händedruck. Ich bereue nichts.

bild vom köln-konzert ©  sophiamusic.net>>>>