sodastream

10. november, 2003

ort: cafe concerto, wien

dabei: hermann

Angeblich spielten SODASTREAM deswegen im Cafe Concerto, weil für die üblichen Verdächtigen vergleichbarer Größe an diesem Abend bereits andere Bands gebucht waren, und grundsätzlich spricht ja nichts gegen Veranstaltungsorte, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Allerdings würde ich bei aller Ambition der Betreiber/Veranstalter ein Konzert in diesem rohen Gewölbekeller mit brustschwacher Anlage als Spielen unter erschwerten Bedingungen bezeichnen. SODASTREAM, also die Herren Karl Smith (Gesang, akustische Gitarre, Piano), Pete Cohen (Kontrabass) und Marty Brown (Gastmusiker am Schlagzeug) aus Australien, haben sich jedenfalls nicht groß dazu geäußert, außer zur Schwierigkeit, Kontakt mit einem Publikum herzustellen, das sich zum größten Teil rechts und links von der Bühne (einer größeren Nische) und nicht davor befindet.

Der Erstkontakt mit den Hörproben der hübschen SODASTREAM-Homepage hatte bei mir vor allem den einen Eindruck hinterlassen: BELLE & SEBASTIAN ohne Frauengesang. Und tatsächlich ähneln sich Singstimme und Gesangsstil von Karl Smith und Stuart Murdoch (von BELLE & SEBASTIAN) sehr stark, und beide kriegen diese wunderbar luftigen, beschwingten, fröhlichen Melodien hin. (Auf der CD "Enjoy" von 1997 klangen sie übrigens noch eher nach 22 PISTEPIRKKO auf Indiepop.) Im Konzert und auch auf der schönen aktuellen Platte "A Minor Revival" machen SODASTREAM allerdings schon nach wenigen Minuten klar, dass sie einen unverkennbar eigenen Stil gefunden haben und aus einer anderen Richtung kommend zum Teil einfach ähnliche Ergebnisse erzielen. Der Einfluss diverser Folk- und Singer/Songwriter-Traditionen ist bei SODASTREAM viel deutlicher ausgeprägt, und schon ihre vermeintlich fröhlichen Songs haben immer wieder Traurigkeit und das Hadern mit der Welt zum Thema. Karl Smiths schüchternes Junge-von-nebenan-Auftreten und seine sanfte, immer ein wenig zerbrechliche Stimme verliehen dann aber besonders den ruhigeren Liedern, die, manchmal nur vom Piano begleitet, mindestens die Hälfte ihres Sets ausmachten, eine unerwartete Intensität. (Warum übrigens ausgerechnet in solchen Momenten manche Leute ihre Klappe nicht halten können, wird mir immer ein Rätsel bleiben.) So mitreißend und überzeugend habe ich schon lange keinen für uns/mit uns Herzblut vergießen sehen. Zwei Zugaben mussten wir uns dann noch hart erklatschen, dafür waren sie genauso wunderschön. Großartiges Konzert.


picture ©  SODASTREAM >>>>