the little opry country shuffle

28. september, 2003

ort: river rhine

dabei: max

Country Musik führt in Deutschland ein Schattendasein, daran werden auch Promotion Auftritte der Dixie Chicks oder von Schnulzensängerinnen wie Shania Twain nichts ändern, und Truck Stop und anverwandte Geister sind wohl eher im Schlager und Bierzelt Kontext zu sehen. Das positive daran ist, daß Country Fans sich nicht auf das reduzieren was die Industrie ihnen zum Fraß vorwirft, sondern ihren eigenen Mikrokosmos erschaffen. Eine von diesen öffentlichen Wohnzimmern ist die von Monika und Eugen Grimsehl geführte „Little Opry“ in Köln. Seit Mai 1998 unterhält Musiktheoretiker und Historiker Eugen seine Gäste mit allen Spielarten der Country und Western Musik. Seine unerschöpflich scheinende Platten- und Tonbandsammlung ist dabei immer wieder der Stoff für angeregte Diskussion und die akribisch geführten Playlisten liefern dabei das Gerüst für die musiktheoretischen Diskurse. Höhepunkte sind für die Kölner Country Gemeinde die spontanen Auftritte, meist einheimischer Musiker die ausschließlich pro bono für den Inhalt eines herumgehenden Stetson spielen. Als Johnny Cash verstarb, versammelte sich spontan eine große Fangemeinde um des verstorbenen zu gedenken.

Auch in diesem Jahr veranstaltete die „Little Opry“ eine Country shuffle auf dem Rhein. Auf der „Wappen von Bonn“ präsentierten drei Bands ein breites Spektrum dessen, was Country Musik zu bieten hat. Jede der Bands spielte 2 dreissig minütige Sets. Dazwischen machten sie Platz für die Squaredancer. Den Auftakt machten meine persönlichen Favoriten: „Gary Lee and the wanted men“. Deren Western Swing orientiertes Programm mich einfach immer wieder von den Socken haut (denn nicht nur down in Texas ist Bob Wills still the king, gelle Dirk?). Danach kamen die „City Slickers“, die auch diesmal nicht wieder vollständig angetreten waren. Eigentlich bestehen sie aus 6 Musikern, doch das habe ich zumindest noch nicht gesehen. Sie spielen eher mainstream Country, wußten jedoch zu überzeugen. Die dritte Band war Eugens Hausband: die „Little Opry Band“. Daß Eugen Mentor der Band ist, merkt man, an der originellen Auswahl der Songs. Das Publikum war durchgehend begeistert. Ich fand es nicht schlecht. Die Band hat sicherlich Potential. Allerdings möchte ich mir eine Kritik an Alvin Chipmunks Gesangskünsten ersparen.

Nach etwa 4 Stunden ging es wieder in die „Little Opry“. Hier erwartete uns zum Abschluß noch ein besonderes Schmankerl: Das Duo Slidekick. Bewaffnet mit Slidegitarre, Dobro, Mandolinen und einem rüstungsähnlichem Rhythmusgerät brachten sie ein unterhaltsames Programm, das von Country über Blues bis zur Hawaii- musik reichte und waren damit der gelungene Ausklang des tags. Danke Eugen, es war Klasse, hoffentlich im nächsten Jahr wieder.
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