quarks
"schade"

25. september, 2002

ort: b72, wien

hermann

Ach, die Quarks! Eine schöne Debütplatte mit genialen Momenten, wunderbare Konzerte und eine anbetungswürdige Jovanka von Willsdorf. Dann die schon nicht mehr so aufregende zweite Platte, weil die irgendwie zu bemüht klingt. Live war da auch ein bisschen die Luft raus. - Wieder mal in ein Konzert der Quarks zu gehen, war also fast wie Freunde von früher treffen. Man hat zwar lange nichts von einander gehört (keinen Ton der neuen Platte), aber man ist doch ein wenig gespannt, was die gerade so machen (trotz der Warnung, sie würden jetzt ziemlich chartskompatibel rüberkommen).

Die ersten Lieder sind dann gleich eine mittlere Überraschung: Die Quarks rocken!? Aber da fehlt doch was, um tatsächlich Rock zu sein, die Ecken und Kanten, die Wucht, die Energie - und ganz einfach der Krach. Können die das nicht ein bisschen raffinierter oder wollen sie so klingen?

Früher mal, da gehörten die Quarks für mich zu den Meistern des unaufgeregten, schwermütigen Popsongs. Ob ihre Lieder vielleicht zu einfach gestrickt sind, hab ich mich eigentlich nie gefragt. Vor allem live fügten sich nämlich die spärliche Instrumentierung, Jovanka von Willsdorfs Bühnenpräsenz und ihre mitunter gewöhnungsbedürftigen „Das ist Poesie!“-Texte zu einem bezaubernden Ganzen.

Diese zerbrechlichen Miniaturen jedenfalls sind Geschichte, nur das „Waldstück“ von der ersten Platte hat es – in neuem Gewand – ins aktuelle Set geschafft. Andererseits war es vielleicht die richtige Entscheidung, die niedliche Verschrobenheit, die Kindermelodien nicht bis zum Abwinken auszureizen. Wie auch immer, jetzt sorgt die Verstärkung durch einen Schlagzeuger und eine Keyboarderin/Gitarristin zwar eindeutig für einen volleren Sound, und Frau von Willsdorf hat natürlich immer noch Charisma. Aber plötzlich sind die Songs zu simpel, wirken zu sehr auf Gefälligkeit und Tanzbarkeit hin konstruiert. Gerade live laufen die Quarks dadurch Gefahr, arg glatt gebürstet und fast belanglos nett zu klingen. Dass sie nun wie Dutzende andere Bands musikalisch oft Bezug auf die 80er Jahre(-Disco) nehmen (Es soll ja noch Leute geben, die solche Referenzen auch weiterhin überhaupt nicht cool finden, eben weil sie diese Zeit als Jugendliche durchlitten haben.), nährt bloß weiter den Verdacht, dass sie dieses Mal einfach zu viel wollten. Leider, leider ein ziemlich lauer Auftritt, fand ich. Welchen Weg werden die Quarks wohl noch nehmen?

Allerdings - der Stimmung im B72 und den Reaktionen im Freundeskreis nach zu schließen, halten sich wider Erwarten Befürworter und Kritiker des neuen Quarks-Sounds die Waage. Vielleicht sollte ich mir ja doch die neue Platte mal anhören. Unter alten Bekannten muss das eigentlich drin sein.
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