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| PEACHES |
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| ein gerettetes wochenende |
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18. april, 2004
london, astoria
dabei: werner (auch fotos)
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Vaterfickendes Luder auch. An sich wäre ich ja gar nicht hingegangen, das Konzert war groß gehypt, gar nicht billig und ohnehin ausverkauft. Doch dann kam des Sonntag Abends nach einem total versauten Wochenende ein Anruf, ob ich nicht zu PEACHES ins Londoner Astoria kommen mag, jemand hätte da ein Ticket für mich über. 40 Minuten später bin ich aus der Badewanne und im West End, eingequetscht zwischen einem 14jährigen Girlie und einem etwa 40jährigen Trani. Hatte es schlimmer erwartet, trotzdem ist mein zweiter Gedanke warum ich mir das antue, denn der beiden Peers in den vielen Reihen vor mir sind zumindest einen Kopf größer als ich, und die Bühne weit entfernt. Anyway, ich bin gerade rechtzeitig zu Peaches…
Die Show spielt sich mit - uhm, surprise – PEACHES von den STRANGLERS ein. Die Nummer ist älter als die Hälfte des Publikums. Trotzdem, jeder kennt sie und jeder weiß was gleich passieren wird. Oder auch nicht, denn schon stürmt die Protagonistin des Abends auf die Bühne, wasserstoffblond, in Hotpants und was sonst noch zu einem ordentlichen Schlampenoutfit gehört, in der Hand eine Gitarre die jeder 80er Glamrockband die Show stehlen würde. PEACHES fängt an zu werken wie es sich der Rest von uns nur allein daheim oder bei Luftgitarren Contests trauen würden. Sie schlägt ein paar leere Seiten die aber unter den wummernden Samples (nönö, Band gibt’s keine) ohnehin untergehen, der Rest obliegt obszöner Gestik und ebensolcher Interaktion mit dem Publikum. Mir bleibt der Mund offen stehen und das Girlie neben mir meint nur zu ihrem Freund: Oh, she looks so…stunning!
Kaum ist das aus praktisch einem Akkord bestehende Intro vorbei sind Gitarre und Wasserstoffblond plötzlich weg (stattdessen kommt mir ALICE COOPER in den Sinn, aber egal) und PEACHES fängt an abzuräumen. Voll ins Gesicht. Drei Viertel des Gigs kontrolliert sie das Publikum eisern vollkommen alleine von der BÜhne und wird nur ab und zu von zwei geschlechtlich undefinierbaren Tänzer(inne)n optisch unterstützt. Sie lockern allerdings die Einfraushow optisch mit sporadischen Auftritten inklusive Dildos, Bondageequipment und Tanzeinlagen schon ziemlich auf und setzen den Glamer auf den Punk.
Die Musik, abgesehen von PEACHES gelegentlichem Griff zur Gitarre, ist 100% synthetisch (und selten hat mich das so wenig gestört), simple, straight und gnadenlos. Damit bleibt alles auf die Performance konzentriert. Unglaublich die Frau, denn trotz allem "I-don’t-give-a-fuck" ist sie die souveränste Entertainerin die mir seit langem untergekommen ist. Der Schmäh ist Sex in jeder Form, aber Sex als Ausdruck und nicht als Aufputz. Und sie weiß wie man ein Mikro verwenden kann um das zu unterstreichen. Trotzdem wird von Song zu Song auch klarer das PEACHES neben allen Showbizqualitäten einfach auch wirklich Attitude hat und hier ist um sie zu vertreten.
Vor zehn Jahren hätte eine solche Show in dieser Größe noch bestens in einen SciFi Film gepasst. Man stelle sich - klassisch - die Szene die-Bösen-haben-Party-bei-der-durchgeknalltes-Girl-zu-elektronischem-Gestampfe-Erotikshow-abzieht-zu-der-unrasierte-Cyberpunks-mit-Iros-moshen. Alles klar? Hurra, die Zukunft ist da, die Kids sind die Mosher von morgen und PEACHES hat womöglich Punk neu definiert. Zumindest aber produziert sie musikalischen Minimalismus der funktioniert und sich was traut.
Auch IGGY POP war da, der ja den halben Gesang auf PEACHES Hit "Kick it" übrig hat. Nicht in persona aber als eingespielte, singende und mit PEACHES interagierende Projektion in Lebensgröße. Beeindruckend gemacht.
Keine Minute des Gigs verliert PEACHES ihre unglaubliche Energie oder die Kontrolle über den Saal, keine Zeit für Atempausen (und das Konzert ist für hiesige Verhältnisse relativ lang). Zum Abschluß gibt’s eine unglaublich schlechte Coverversion von ELECTRIC SIXES "Gay Bar" (PEACHES an der Gitarre ist eine musikalische Katastrophe, aber darum geht’s hier nicht), eine phantastische Hullahop Vorstellung einer der Tänzer(inne)n und PEACHES die mit vollem Mund (Weintrauben und Mikro) das Finale singt - Fuck the pain away! Au ja!
100 Punkte für ein gerettetes Wochenende.
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