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| MISSION OF BURMA |
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| live in london |
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3. april, 2004
institute of contemporary art, london
dabei: werner (auch fotos)
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Das musikalische Programm in London an jenem Samstag war ganz im Zeichen der Revivals. Zeitgleich standen da unter anderem. die EINSTZÜRZENDE NEUBAUTEN, die DEAD KENNEDYS und MISSION OF BURMA auf irgendwelchen Bühnen. Die Wahl war allerdings einfach, sind MISSION OF BURMA doch MISSION OF BURMA und war es neben dem diesjährigen verpassten ATP Festival doch Ihr einzigen Europa Auftritt. Und dann ist das ICA auch ein netter Ort, voll mit diskussionswürdiger Kunst, aber nett. Vielleicht das MAK Londons, jedenfalls nicht der Ort wo man tagtäglich Bands sieht.
Der Hype hatte sich ja hier in Großbritannien zum Glück in Grenzen gehalten, obwohl in den Ankündigungen zu lesen war, dass MoB …neben NIRVANA und den PIXIES die vielleicht einflussreichste Band des Indierocks... sind. Und das obwohl sie nie auch nur annähernd so bekannt waren. Wie kommt also?
Kurz umrissen: MoB prägten in den frühen 80ern mit ihrer Musik den Begriff Postpunk, lösten sich aber ziemlich rasch wieder auf nachdem Gitarrist Roger Miller einem Tinitus erlag. Sie hatten einen Minihit namens "Thats when I reach form my Revolver" der des öfters gecovert wurde, und jede dritte amerikanische Indieband der frÜhen 90er berief sich früher oder später auf MoB als Einfluß. Nach über zwanzig Jahren ohne Tonträger oder sonstigem gemeinsamen Output haben sich MoB vor zwei Jahren schließlich völlig überraschend wiedergefunden und mit Unterstützung Bob Westons von SHELLAC wiedervereinigt. Ende Mai erscheint ihr erstes Album seit… na, eben damals. Doch Auftritte sind noch immer rar. Dem Tinitus wird live mit riesigen Ohrenschützern beigekommen, und ich würde das als Zeichen für würdiges Altern im Rock (…) sehen, wäre die Ästhetik nicht durch die optische Kombination mit Roger Millers furchtbar geschmacklosen Sakko an jenem Abend getrübt gewesen. Aber hinweg mit den Äußerlichkeiten und zum musikalischen.
MoB. starten Ihr Set (mit Fame and Fortune) ziemlich zögernd und laufen sich erstmal mit altem Material warm (This song is from our latest album, it was released in 1982. 1,2,3,4…hurra). Es ist zu Beginn eine gewisse Zurückhaltung und Nervosität zu spüren, die jedoch irgendwie charmant ist, da MoB dem Kultruf insofern nicht gerecht werden können weil sie es einfach dilletantisch angehen. Sie verspielen sich zu Beginn einige Male recht heftig (wie geht der Song noch mal?), das aber wird schlicht mit einem spielfreudigen Lächeln bedacht. Als Bassisten/Sänger Clint Conelly jedoch gar eine Basseite reißt hat er nun einfach wirkliche keine Ahnung mehr wie der Song nun eigentlich ohne sie weitergehen soll.
Laut ist es im ICA, zu laut. So laut leider, dass so manche der vertrackten Harmonien, die Mission of Burma Songs ausmachen, unter dem Lärm verschwinden. Bin wieder mal froh über meine Ohrenstoppel.
Wer die Band kennt kriegt was er/sie will, es sind alle Klassiker zu hören, und damit wohl 90% der Erwartungen des Publikums abgedeckt. Aber halb durchs Konzert wird klar, dass es eigentlich eher die neuen und unbekannten Nummern sind, die hier wirken. Umso erstaunlicher als meist live ja umgekehrt, aber das neue MoB Material wirkt kompakter, funkt sofort und bleibt ritzratz im Ohr ohne gleichzeitig jene Schrägheit missen zu lassen die MoB ausmacht.
Ein eher missglückter "Academy-Fight Song" beendet dann erst einmal das Set und die Ansage das Teil 1 des Abends jetzt vorbei sei und es nach der Pause weitergehen werde überrascht mich doch ein wenig.
Nach dem dann doch willkommen Break (aka einem kalten Drink) steigen MoB bei ihrer Rückkehr auf die Bühne zu einer ganz großen Form auf. Die Band spielt plötzlich viel relaxter und dichter, und wiederum ist es eher das neue Material, das glänzt. Auch der Sound ist jetzt besser und alles freut sich. Und schließlich haben MoB. noch genügend Selbstvertrauen auf den Abräumer zu verzichten und das Konzert nicht mit ihrem Minihit zu beenden, sondern einer neuen Nummer, die jenem eigentlich um nichts nachsteht, den Vorzug zu geben. Es brodelt und die Band kommt schließlich insgesamt dreimal zu Zugaben von insgesamt fast einer Stunde auf die Bühne bevor Sie das Konzert mit einem Syd Barret Cover (einem deklarierten Idol der Band) beendet. Doch da sind drei Viertel des Publikums schon am Weg nach Hause, denn so was kennt man mit der englischen Sperrstundenmentalität nicht.
Feiner Gig einer großen und sympathischen Band mit einer einzigartigen Chemie. Und nach zwanzig Jahren ohne neuem MoB Material ist klar das hinter all dem Kultgesäusel eine Berechtigung und etwas ganz Großes stecken.
PS.: Onoffon, das neue Album, wird Ende Mai in Europa erscheinen (hab allerdings schon eine durch Zufall ergatterte Promocopy vor mir liegen) //Angeber!! - Anmerkung des Sekretärs// und hält in der Tat was das Konzert versprochen hat. Die Platte ist die vielleicht beste MoB Veröffentlichung überhaupt, zeitlos und musikalisch clever, und wäre sie vor 15 Jahren erschienen hätte sie womöglich als Missing Link zwischen "Daydream Nation" und "Zen Arcade" gegolten. Hiermit schwerst empfohlen.
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