THE MOUNTAIN GOATS / KAKI KING

9. november, 2008

ort: websterhall, new york

von costa

nach dem etwas kurz geratenem auftritt der MOUNTAIN GOATS auf einem festival im spätsommer, versprach das letzte konzert der diesjährigen u.s.-tour einen ausführlicheren einblick in die live-qualitäten der band. die erwartungen waren groß. mein letztes "richtiges" konzert der MGs liegt 13 jahre zurück.

KAKI KING, die zierliche gitarrenvirtuosin lieferte mit ihrer band ein komplettes, anderthalbstündiges set ab. zunächst zeigte sie welche unglaublichen fähigkeiten sie auf der akustischen gitarre zu bieten hat. das ist virtuosität, ohne aber in zu saubere, klassische gitarrenarbeit abzudriften. leider gesellte sich bald die band hinzu und so trat die gitarrenarbeit der zierlichen person etwas in den hintergrund. vor allem der gitarrist, der direkt aus einem NDW-video der achtziger in die websterhall gebeamt wurde,nervte mit seiner aufdringlichen präsenz. das unbehagen, diese mir noch völlig unbekannte künstlerin nicht zuordnen zu können, sollte mich nicht wirklich verlassen. hier und da wurde gerockt, fast schon progressive, dort kam dann wieder das folk-element zu tragen oder das publikum suchte nach dem passenden film zu feingewobenen instrumentalstücken. diese vielfältigkeit hat wohl auch dazu geführt, dass die kritik sie bis jetzt noch nicht entdecken wollte, obwohl kaki king schon reichlich cds vorzuweisen hat. während des sets wandte sie sich mit persönlichen bemerkungen über ihre rückkehr nach langer tour ( 1 ½ Jahre!) ans publikum. dabei kamen ihr die tränen - ein vorgeschmack auf die hohe emotionsebene dieser letzten show. die letzten beiden nummern sagen viel über kaki king aus: zunächst wurde eine deutsche speed-metal band mit voller wucht gecovert. dann fand sie sich allein auf der bühne wieder und spielte eine zerbrechliche coverversion des lieblingsstücks john danielles (MG): "please, please, please let me get what I want" von den SMITHS. kurz gesellte sich darnielle zu ihr, was den applaus mitten im lied bei folgendem mitschnitt der nummer erklärt:
http://www.nyctaper.com/M1616MountainGoats8080/Kaki2008-11-09_Smiths_t01.mp3

die MOUNTAIN GOATS erfüllten mit ihrem fast zweistündigen set alle erwartungen ihrer eingeschworenen und hingebungsvollen, fangemeinde, zu der ich mich auch irgendwie zähle. zunächst spielte john darnielle mit band ein set neuere songs, das heißt songs die vorwiegend von den letzten auf 4ad erschienen alben stammten. die neuen MOUNTAIN GOATS also, die eine richtige band sind, die in richtigen studios aufnimmt und nicht mehr allzu viel mit den MOUNTAIN GOATS zu tun hat, die man aus den frühen bis mittleren 90er Jahren kennt. an diese zeit erinnerte das folgende solo-set, bei dem sich darnielle auf material von "full force galesburg" (1997) beschränkte. kam mit den ersten songs das konzert noch etwas streng organisiert vor, war mit dem solo-set der bann gebrochen. ab nun war alles möglich. und nichts weniger folgte.

gemeinsam mit KAKI KING spielten sie einige tracks der gemeinsamen e.p. (vinyl-only), während die band sich wieder komplettierte und sich nicht scheute, einen schweren wall of sound aufzuschichten, den man niemals von den MOUNTAIN GOATS erwartet hätte. gegenüber der jüngeren KAKI KING wirkte john darnielle, wie der liebe betreuende onkel, aber wenn es um das gitarrenstimmen geht, zeigt sich, dass KAKI KING auch die hosen an hat. das titelstück "black pear tree" verursachte bei mir tatsächlich eine gänsehaut. das letzte stück, dass die MGs gemeinsam mit KAKI KING vortrugen war eine coverversion von MORRISSEY: "suedehead". da rockten sie als hätten sie eben erst zueinander gefunden und würden sich beweisen wollen, wer mehr power in den knochen hat.

schließlich folgten die hits bei denen der euphorische saal immer fleißiger mitsang ("this year", "no children", "going to georgia" etc.) zuguterletzt eine hommage auf die schwedische popband ACE OF BASE ("the sign") und dann auch noch "the best ever death metal band in denton". mittlerweile waren beide bands längst auf der bühne vereint und feierten sich selbst und das publikum. es war wirklich ein umwerfender abend, und die MOUNTAIN GOATS entwickeln sich fast zu einer richtigen partyband. dabei sollte man eins nicht vergessen: john darnielle ist einer der besten amerikanischen songwriter. seine texte eine genaue auseinandersetzung immer wert. auch sein kleines BLACK SABBATH - büchlein sei hier wärmstens empfohlen.

das konzert kann man sich komplett beim nyctaper herunterladen:
http://www.nyctaper.com/?p=439