LETIGRE

7. oktober, 2004

ort: fluc-mensa, wien

costa

als LETIGRE vor zwei jahren in der szene-wien spielten, kam das konzert einer offenbarung gleich. lange hatte ich keine band mehr gesehen, die ihre politische botschaft mit so viel energie und spaß vermittelten, wie bei den drei frauen von LETIGRE. "we wanted to make a new kind of feminist pop music, something for our community to dance to." dieses ziel hatten sie damals schon überschritten, als sich viele typen wie ich mit begeisterung in den augen wiederfanden - obwohl man(n) sich strenggenommen kaum als teil dieser community sehen konnte.

die erwartungen waren also hoch, als sich herumsprach, dass LETIGRE sich in der noch relativ frischen fluc-mensa einfinden werden. eine internationale band mit weitreichendem ruf hatte sich bis zu diesem zeitpunkt noch nicht auf diese doch recht improvisiert-wirkende halle eingelassen. dass sich fm4, der jugendradiosender des ORF, sich hin und wieder auch queer-themen zuwendet ist lobenswert. der fluch dieses senders ist aber seine rolle als opinion-leader, und so war das konzert ausverkauft, nachdem bereits tage vorher die werbetrommel gerührt wurde. nicht nur das. bald machte die nachricht die runde, dass durch ein versehen doppelt so viele karten verkauft wurden, als in die fluc-mensa "offiziell" hereinpassen. als sich bei der vorgruppe der laden schon recht füllte, sich draußen einige hundert menschen vor der mensa und der fluc-kneipe versammelten, bekam ich es schon mit der angst zu tun. das gedränge hielt sich aber dann doch in grenzen, auch wenn es fast unmöglich war, sich in die vorderen reihen vorzuboxen.

LETIGRE gönnen einem live kaum atempausen. die songs sind schnell, hart und tanzbar und bald war die ganze meute in bewegung. die visuals, gönnten auch den in den hinteren reihen verankerten einige visuelle eindrücke und bei einer ihrer themensongs FYR (fifty years of ridicule) konnte der text auf der leinwand verfolgt werden - damit es auch ja keine missverständnisse gibt. und das ist das erfrischende an LETIGRE: ironiefrei position beziehen! gegen das mehrheitliche (das hier nicht quantitativ verstanden wird, sondern das dominante meint, also, weiß, männlich, heterosexuell...) - also eine position, die weit über die queer-communitiy hinaus geht.

einziges manko: LETIGRE verzichteten fast gänzlich auf direkte kommunikation mit dem publikum. ansagen fehlten praktisch völlig. ein "Q+A"-spiel, wie es beispw. SHELLAC auf ihren konzerten machen, hätte der sache sicher gut getan. denn, dass kathleen hanna nicht auf den mund gefallen ist, ist ja wohl bekannt und ihre meinung zur ersten österreichischen literaturnobelpreisträgerin hätte uns schon interessiert. mit dem unprätentiösen cover von "i'm so excited" wurde das durchgeschwitzte publikum dann doch mehr in partylaune als in revolutionärer stimmung verabschiedet.

das neue album von LETIGRE lässt noch auf sich warten. gerüchten zufolge am 18.10. in den geschäften.

bis dahin empfiehlt sich unbedingt ein besuch ihrer website:

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