jonathan richman
live in london und köln

märz, 2003

gebäude 9, köln und shepherds bush empire, london

dabei: max (köln), costa (london)

Köln: Waren wir zu früh da oder hat Jonathan uns warten lassen? Irgendwann war er dann plötzlich mit seinem Drummer da und erzählte uns, wie toll der Frühling in New York sei, dass Pablo Picasso niemals ein Arschloch genannt wurde, und von Beziehungskrisen - die demonstriert er uns in verschieden Sprachen. Wir sind begeistert, aber offensichtlich nicht laut genug für Jonathan und so fragt er uns, ob wir die hier und da eingestreuten deutschen Wörter verstehen würden. Er will versichert haben, dass er unterhaltsam sei und so johlen wir pflichtschuldig los, denn wir wollen keine Zweifel aufkommen lassen, dass wir ihn lieben.... und Jonathan tanzt, nein nicht nur in einer Lesben Bar sondern auch im Gebäude 9. Vor den Songs, während der Songs und nach den Songs und wir tanzen mit und freuen uns. Nach etwas mehr als 1 1/2 Stunden war Schluss und selbst nach langem Rufen kam er nur zurück um uns zu sagen, Schluss heißt Schluss. Er käme aber bestimmt wieder. Tu das und wir sind auch wieder da!

London: Auch hier tanzte und sang Jonathan, und ließ uns zunächst mal die Vorzeichen des Krieges vergessen. Ich musste hier zum ersten Mal feststellen, dass es Leute gibt, die noch größere Fans als ich sind – und wirklich alle Texte auswendig können. Mitsingen (und Mitklatschen!!!) schafft leider eine Spaßatmosphäre, die ich als alles andere als passend für ein Jonathan Richman-Konzert empfinde - sehe ich doch in den Texten durchaus eine gewichtige Tragik, der Jonathan halt oft mit Humor begegnet, aber womit auch sonst? Lange kein Grund auf den Tischen zu tanzen! Ganz so schlimm war es aber auch nicht, und spätestens mit seinem Statement zum Irak-Krieg war dann auch die Stimmung etwas besinnlicher. Somit hatte das auch was gutes, denn eigentlich empfinde ich die laufende Statement- und Anti-Kriegssong-Schwemme schon langsam nervig. Da lob ich mir die Numbers, die vor dem Konzert ausrichten ließen: „Numbers beantworten gerne alle Fragen zur amerikanischen Außenpolitik nach dem Konzert!“ Richtig! Das war’s! Diskussion statt Slogans! Diese Positionierungen sind Gradwanderungen, die Jonathan gerade noch gepackt hat, als er für die Kinder im Irak ein, zwei Strophen sang. Der tosende Applaus, der sich von Blair verraten fühlenden Engländer war ihm natürlich sicher. Auch in London gab es keine Zugaben, und das Konzert war nur etwas über eine Stunde lang. Das Licht ging an, und das bedeutet in England immer: Schluss! Es war Sonntag, es war halb 11, und damit auch kein Pub weit und breit mehr offen. Es blieb uns nichts anderes übrig als auf den Bus zu warten...