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| girls against boys |
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| "knackig" |
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28. oktober, 2002
ort: flex, wien
hermann + costa
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H:"Haben wir da eines der knackigsten Rock-Konzerte dieses Jahres gesehen? Oder sind Girls against Boys für eine Band mit Dischord Records-Vergangenheit bereits zu chartskompatibel?"
C: "Ich finde es hat der Band überhaupt nicht geschadet, hier und da ein paar eingängigere Passagen einzubauen. Genau das hat mir wohl gefehlt in den 10 Jahren seit ich mir meine erste und einzige GvsB-Platte gekauft habe ("Tropic of Scorpio", übrigens trotz D.C. auch nicht auf Dischord...), dabei habe ich sie live immer schon toll gefunden. Nach dem Konzert hatte ich das Gefühl was verpasst zu haben. Sound-mäßig würden sie ja eigentlich gut zum NYC-Hype passen, aber dafür sind sie wohl zu ... äh ...alt...?!"
H: "Nach den legendären Soulside-Zeiten (Deren LP "Hot Bodigram" war als Ganzes betrachtet immer meine Lieblings-Platte von Dischord.) konnte ich mit GvsB eigentlich erst ab 'Cruise Yourself' von 1994 was anfangen. (Was wurde übrigens aus den anderen Ex-Soulside-Mitgliedern?) Die hatte dann aber gleich mehrere tolle Songs drauf, z.B. das unerwartet ruhige, geniale 'Glazed Eye'. Auch live fand ich GvsB damals sehr überzeugend. Mit der nächsten Platte 'House of GVSB' war es dann mit der Begeisterung meinerseits wieder ziemlich vorbei. Tja, und dann erwischte mich 'You Can't Fight What You Can't See' eben in einer Ich-brauch-jetzt-eine-ordentliche-Rockplatte-Phase. Und live waren sie dann noch um einiges besser als erhofft (und auf Platte versprochen): Vom Hardcore haben sie sich die Geradlinigkeit (keine elenden Gitarrensoli und anderer Schweinerockkram) und diese charakteristische Art Schlagzeug zu spielen bewahrt, aber sie haben keine Angst vor tollen Melodien und fettem Sound. Apropos Sound: Meinst du mit NYC-Hype The White Stripes und Konsorten?"
C: "White Stripes, Interpol und (selbst noch nicht gehört) Radio 4 sowie natürlich die Strokes als Auslöser. Da sagt die Werbung: "laut, punkig, gemein und vor allem groovy!" (Radio 4) oder "New Yorks heißeste Bands seit den Strokes" (Interpol). Da scheinen aber weniger musikalische Bezugspunkte der gemeinsame Nenner zu sein, als vielmehr NYC selbst (wir sind ja alle New Yorker...!). Zumindest bei Interpol lassen sich schon Parallelen zu Dischord ziehen, da die auch viel englischen Post-Punk/New Wave verzehrt haben. Und Bands wie Wire (von Minor Threat gecovert), Gang of Four (Soulside-Heroen) usw. waren ja wichtige Bezugspunkte der D.C.-Szene und bei den GvsB (aber auch bei Interpol) ist das auch noch zu finden. Worum es mir aber ging, war einfach, dass keine der angesprochenen Post-Strokes-Bands (soweit ich sie kenne) den GvsB das Wasser reichen kann, letztere aber offenbar nicht jung genug sind / oder einfach cleverer, um nicht in diese Hype-Mühle zu geraten. Übrigens sind sogar 3 der original Besetzung von Soulside bei Girls vs Boys gelandet (nur der Sänger nicht - keine Ahnung was der macht...) und so verwundert es auch nicht, dass diese alten Hasen (die aber eben immer noch "knackig" sind) live dermaßen routiniert wirken. Womit wir zum Glück wieder beim Konzert sind, wo sie (trotz aller Routine) vermittelt haben, dass diese Musik nicht nur ihnen Spaß macht, sondern immer noch jung und alt (=äh, uns) begeistern kann - was ich von der Vorband Psycho-Path nicht unbedingt behaupten würde. Gerade im Vergleich zu so einer Klischee-triefenden Alt.Rock-Band wirkten GvsB direkt frisch, oder?“
H: "Auf die Gefahr hin, jetzt ein bisschen gönnerhaft zu klingen: Nach längerem Aufenthalt in Indie-Rock-Land hakt man Musik wie die von Psycho Path (Metaller-Bass drum-Geknüppel und einige Riffs aus dieser Ecke, Hardcore-Breaks und Zorngesang; wer denkt sich bloß solche Bandnamen aus?) zwangsläufig nach kurzer Zeit als ziemlich abgegrast ab. Aber vielleicht müssen junge Bands ja die gleichen Fehler wie manche der Altvorderen machen, um später irgendwann den eigenen Sound zu finden. Anders gesagt: Wenn die Typen da oben fünfunddreißig gewesen wären, hätte ich es zum Kotzen gefunden. Ob GvsB dagegen jetzt frisch klangen? Dieses Wort wäre mir nicht dazu eingefallen. Eher gut abgehangen, aber angesichts des größer werdenden NYC-Hypes und der Tatsache, dass ganz allgemein blutjunge Bands, die den Rock für sich entdecken, im Moment recht hoch im Kurs zu stehen scheinen (siehe The Datsuns aus Neuseeland), bedeutet das im Endeffekt vielleicht doch wieder frisch. In einem alten Musikkonsum-Hasen wie mir keimt die Befürchtung, dass mir da in den nächsten Monaten noch viel angeblich Neues allzu bekannt vorkommen wird. GvsB jedenfalls spielen in einer anderen Liga, denke ich. Diese Herrschaften wissen offensichtlich genau, was sie tun. Die Hardcore-Vergangenheit gebietet die nötige Sperrigkeit, aber sie haben auch den Mut, ein gewisses Harmonien-Bedürfnis beim Publikum zu befriedigen. Dass sie dem Ganzen live noch mehr Druck verleihen und diesen erfreulich fetten Sound hinkriegen, ist wahrscheinlich auf ihre Routine zurückzuführen, da sind wir uns einig. Zum Vergleich: Notwist waren auf ihre Art beim diesjährigen Konzert im Flex ähnlich überzeugend und begeisternd, und da hatte ich ebenso das Gefühl, die haben jetzt ihren spezifischen Sound gefunden.
C: "Stimmt. Kaum eine Band entsteht aber aus dem Nichts, und gewisse Konsequenzen in der Musikentwicklung entspringen einer soziologischen Logik, oder? So wie Notwist Teil der Hausmusik-Morr-Szene sind, sind GvsB sicher nicht zufällig auf Jade Tree gelandet. Womit wir bei dem komischen Wort Emo-Core wären - was ja eher eine Szene ist, als ein Musikgenre. Trotzdem trifft deine Definition "Sperrigkeit trifft auf Harmoniebedürfnis" diese Sache sehr gut, und ich vermute, dass, so wie diese Szene sich bewusst im Abseits der Hypes bewegt, GvsB auch irgendwie immer von den Medien eher außer Acht gelassen wurden /werden wollten. Ist ja auch sympathisch. Eins noch: ...And you will know us by the Trail of Dead war das "knackigste Rock-Konzert des Jahres" für mich. Die sind nämlich Live eine etwas größere Herausforderung und haben bei mir noch einen Gänsehaut-Bonuspunkt mehr. Junge Bands (gut, Trail of Dead sind auch nicht mehr so jung) müssen also nicht unbedingt diese Fehler machen. Soulside/GvsB oder Notwist waren ja auch nie peinlich. Aber egal! Fazit: Das zweit-knackigste Rock-Konzert (das beste in Wien) und ein Wiedersehen mit alten Freunden. Ein Grund sich zum Dischord-Abend im Flex einzufinden und wieder einmal alte Soulside-Sachen zu hören. Mehr konnte wirklich niemand verlangen! Ach ja, und dann haben wir uns noch diese wunderhübschen Singles gekauft!!!“
H: “Kurzer Einwand zu Jung-Bands: Alte Notwist-Platten klingen heute teilweise ebenso nach damaliger HC-Meterware, finde ich, aber Gesetz lässt sich daraus natürlich keins ableiten. Zurück zu GvsB und, um den Kreis wieder zu schließen, zum Anfang (nicht nur...), zur NYC-Hype-Nähe: Ich seh die Linien eher zu Cop Shoot Cop (nicht nur wegen der zwei Bassgitarren, GvsB kriegen genau das nämlich eindeutig grooviger hin), Tar oder TAD hin verlaufen, zum Noiserock der frühen 90er, obwohl GvsB heutzutage eine ungleich sonnigere Sicht der Welt repräsentieren. Und in einem Punkt sind sie für den Hype tatsächlich zu alt: Ihnen fehlen der jugendliche Zorn und der Rebellengestus. Was soll's! Sie waren GROSSARTIG!
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