dr. borg, anla courtis und seth f. josel

6. februar 2009

ort: praxis projektatelier staab, köln

stephan

dass köln eine stadt der "neuen musik" sei, pfeifen die spatzen schon lange von den dächern, der domstadt. und in der tat drängeln sich die anzeichen in letzter zeit auch immer stärker in mein eigenes bewusstsein hinein (jaja, "im alter fängt man an, sich für experimentelle musik zu interessieren"). seit januar scheint sich das neugegründete "praxis projektatelier staab" in den reigen der kölner veranstaltungsorte einzufügen. praktischerweise liegt es in den angrenzenden räumlichkeiten des geschätzten normal plattenladens, so dass ankündigungen für neue musik und interdisziplinäres ‚en passent' meine aufmerksamkeit erzielen können. also machte ich mich auf, um das experimentierfeld zu erkunden.

im rahmen der "reiheM", einer konzertreihe für gegenwartsmusik, elektronik und neue medien traten am 06.02. gleich drei vertreter der neuen musik auf den plan. im heizungskellerambiente des fensterlosen waschbetonraumes fanden sich schließlich etwa 30 interessierte ein, die die schnoddrigen erläuterungen des veranstalters kurz über den genauen zeitplan des weiteren abends aufklärten. los ging es dann mit der "kölner legende" dr. borg, die ich doch tatsächlich als einen mitinitiator des kölner nozartfestivals identifizieren konnte.

dr. borg legte sich die e-gitarre über die knie und bespielte sie mit allerlei gegenständen. es entstanden loops, die zunehmend komplexere klangcollagen erzeugten und die sounds der eingesetzten magneten, milchschäumer und polaroidkamera integrierten. bei der dritten und letzten nummer wurde das ganze von einem kleinen film begleitet. In schwarz/wießer super 8 film ästhetik sahen wir eine pfanne, die auf einer gasflamme erhitzt wurde und auf der dann ein tamagotchi-ei verbrutzelte. die visuelle rauchentwicklung wurde kongenial mit der klanglichen rauschdarbietung unterlegt…

nach einer kurzen pause begab sich der argentinier anla courtis hinter seine elektronikpulte. wir waren zeugen der deutschlandpremiere von "argentine home-movie cavalcade" einer filmmontage aus privatem super 8 filmmaterial der 70 er jahre. fehlfarbige impressionen der fußballweltmeisterschaft wechselten sich 40 minuten lang mit familienszenen am strand und im garten ab. die dronigen soundlandschaften beeinflussten die wahrnehmung der bilder. im zusammenklang mit der musik haftete den vormals unbeschwert wirkenden bildern urplötzlich etwas extrem beklemmendes an.

zum schluss spielte der amerikaner seth f. josel auf. der gitarrist bot streng abgezirkelte interpretationen von peter ablingers 63-99 aus 1-127 dar… das waren 36 ein paar sekunden andauernde, kontrollierte lärmausbrüche, die das ungeübte ohr (meins!!!) wohl am ehesten noch mit john zorns nacked city projekt in verbindung bringen konnte…

ein bunter abend, schade nur, dass die anla courtis single einen gravierenden verarbeitungsfehler aufweist:
grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr