donaufestival, krems
STEREOID MAXIMUS, FOETUS, XIU XIU, PREFUSE 73

24. april 2005

krems, messehalle

costa

das donaufestival stellt sich in neuem gewand vor und bietet an drei aufeinanderfolgenden wochenenden einen kunterbunten reigen, an dem so unterschiedliche künstler wie SLEATER KINNEY, NAKED LUNCH, RADIAN, SAUL WILLIAMS, DÄlek, DAEDELUS und viele mehr teilnehmen.

professionell aufgezogen und von sponsoren etwas zu aufdringlich unterstützt gab es gleich mal gratis ohrstöpsel, feuerzeuge und dergleichen. neben der großen halle bot eine lounge mit "matrazenlager" eine chill-out-zone, die vor allem wegen ihrer großen matrazenschaukel für kurzweiligen spaß sorgen konnte. leider wurde aber nicht genug abwechslung geboten um von den völlig übertrieben langen pausen zwischen den "acts" abzulenken.

als erstes dirigierte jim thirlwell, aka FOETUS, ein hauptsächlich aus lokal rekrutierten orchestermusikern bestehendes ensemble unter dem titel STEREOID MAXIMUS. die knalligen beats aus keyboards und computern beförderten die big band auf ein neues level und brachten eine stark an soundtracks der 70er jahre erinnernde score zu tage. den musikern und dem publikum hat es sichtlich spaß bereitet.

danach dann dasselbe ensemble mit anderem dirigenten und thirlwell in seiner gesangsrolle als FOETUS. sehr kraftvoll aber doch auch etwas altbacken. auch die morbiden texte scheinen einer anderen zeit entsprungen. bei den stampfenden, harten stellen fühlte ich mich zudem leider auch an metal/klassik-chrossover-versuche erinnert, assoziationen, die ich schnell beiseite schob um mir den ansonsten positiven eindruck nicht zu versauen.

der saal war vorne bestuhlt, und als sich ein junger, FOETUS-fan, offfensichtlich benommen von diversen legalen und illegalen substanzen, vor die zum teil etwas bieder wirkenden donaufestivalbesucher schob, um ihnen seinen arsch zu präsentieren, wurde er sofort von der security entfernt. im zusammenhang mit einem künstler, der selbst sicher schon mehr als einmal die hose auf der bühne heruntergelassen hat, etwas peinlich das ganze. deutet aber auf ein grundproblem hin, wenn man versucht underground mit der e-kultur zu kreuzen. die einen wollen den arsch sehen, die anderen sind genervt. rechtmachen kann man es beiden seiten bei so einer veranstaltung wohl kaum.

dann kam die längste umbaupause des abends für XIU XIU, die große überraschung. zwar ist der gesang äßerst gewöhnungsbedürftig, der herzzerreißende, zwischen tanz-punk und zerbrechlichem neo-folk gelegende sound und XIU XIUs verspielter zugang zu den instrumenten (fahrradklingeln, ukulele, harmonika etc.) waren aber genau mein ding. ein herrliches live-erlebnis, das aber besser in den club als auf die große festivalbühne gehört.

wieder technische probleme. wieder lange umbaupause. die anderen, die trinken durften, liegen schon im matrazenlager herum als gegen 3 uhr morgens (sic!) endlich PREFUSE 73 aufgeigen: zwei drummer, ein bassist, ein dj, ein elektroniker. nach anfänglichen schwierigkeiten sprang in der mitte des sets endlich der funke über. jenseits der eher konventionellen hiphop-beats (die jedoch stets gebrochen wurden) versteckten sich in dem gefiepe nämlich herrliche melodien. ich merke, bei XIU XIU und PREFUSE bin ich eher zuhause als bei FOETUS und bin für einen moment sehr glücklich, als sich irgendwie der sound im nichts verläuft, es langweilig wird, und ich nur noch nach hause in mein bettchen möchte.

ein typisches festival eben, wo mehr eigentlich immer weniger ist, angesichts des line-ups aber kein meckern erlaubt ist.