DELGADOS (mit DANIEL MÖLKSMITH + BAND )

7. dezember, 2004

ort: szene wien

hermann + costa

hermann: wie nähert man sich einer band, die neben ihren eigenen umwerfenden songs mit ihrem label "chemikal underground records" der welt eine menge wunderbarer platten (BIS, ARAB STRAP, MOGWAI, AEREOGRAMME, um nur einige zu nennen) geschenkt hat?

"chemikal underground" wurden für mich über die jahre zum verlässlichen gegengift im britischen hype-retro-wahnsinn (eine position, die sie eigentlich nur mit den leider aufgelösten hefner teilen müssen), und außerdem scheint bei ihnen dieses gute, alte indie-ding tatsächlich über einen längeren zeitraum zu funktionieren. meine erwartungen waren also hochgeschraubt vor dem konzert, und so hab ich, nur die DELGADOS im kopf, gleich mal die vorgruppe ignoriert: viel zu spät dran und nur eineinhalb lieder mitbekommen.

costa: über DANIEL MÖLKSMITH & BAND möchte ich, obwohl ich sie von anfang bis ende gesehen habe, auch lieber schweigen. nur so viel: ein in wien lebender singer-songwriter, der seiner begleitband ruhig mehr raum geben sollte, statt sich selber mit seinen platitüden so in den mittelpunkt zu stellen. aber egal... sie spielten nicht sehr lange!

dann also die DELGADOS: ich durfte die band ja schon zweimal erleben, allerdings nicht sehen, da der club in köln damals (mtc) beide male keine sicht auf die "kleine" band erlaubte. auch sonst muss ich sagen, habe ich keine wirkliche erinnerung mehr daran und so war das für mich gewissermaßen auch das erste ordentliche konzert, das ja angenehm besucht war: nicht zu viele aber auch nicht zu wenige menschen. anfangs schien mir der sound ja etwas breiig, aber das hat sich schnell gelegt und blitzschnell war ich von den sympathischen schotten eingenommen. da hätten wir also emma und alun, sängerin und sänger, die beide ihre gitarren in indie-manier schrammeln, ein bassist, ein schlagzeuger - mit leicht angeschlagenem arm - und dann die zwei keyboarder, die zusätzlich noch die streichinstrumente streichelten. wie fandest du die live-umsetzung?

hermann: der wendepunkt waren für mich die nur von zwei gitarren begleiteten beiden songs (wegen ellbogenschmerzen des schlagzeugers pausierten auch der bassist und die beiden keyboarder), "coming in from the cold" vom vorletzten album "hate" war einer davon. das hatte nichts mit dem sound zu tun, den fand ich wie immer in der szene wien ganz passabel. da war zum einen, wie gesagt, diese erwartungshaltung, endlich einmal helden von mir live zu erleben (wie auch immer ich mir das vorgestellt hatte...): aber plötzlich standen da keine stars, sondern ganz normale, noch dazu eher zurückhaltende menschen, das kriegte ich einige zeit nicht auf die reihe. zum anderen irritierte es mich ein wenig, dass sie so kontrolliert zu spielen schienen, das rock-monster haben sie nie wirklich rausgelassen, obwohl viele ihrer stücke mit abwechselnden ruhigen und heftigeren passagen doch dazu einladen. paradoxerweise waren es dann ausgerechnet die beiden unfreiwillig abgespeckten lieder, die mich davon überzeugten, wie kraftvoll und mitreißend die DELGADOS im konzert sein können, vielleicht auch weil da einige wenige wunderschöne melodien für sich alleine stehen konnten. dazu muss ich anmerken, vor allem die songs von "hate" waren ja vor dem konzert kleine angstgegner, da ich die meisten für etwas überproduziert halte. von einigem bombast befreit strahlten sie live aber viel, viel heller, und die streicher sorgten für die richtige dosis wehmut, ohne sie zu ersticken.

costa: stimmt, das war eine angenehme atempause. was mir auffiel, war, dass alle stücke wie aus einem guss schienen, auch wenn sie von unterschiedlichen platten kamen (wobei die neue platte schon im mittelpunkt stand, und von den ganz alten kaum bis nichts gespielt wurde, oder?). die platten sind ja doch sehr unterschiedlich produziert worden, aber live fiel es mir schwer zu sagen, von welchen platten welches lied kommt. spricht das jetzt für die band oder gegen sie? oder gegen mich, der "hate" mit abstand am wenigsten aufmerksamkeit geschenkt hatte - und nur den titelsong eindeutig zuordnen konnte? peinlich...

hermann: so hab ich es noch nicht betrachtet, aber ja, der stil von "universal audio" scheint die vorlage für die live-shows gewesen zu sein. dass sie das überkandidelte einiger songs weggelassen haben, hat mich ja sehr gefreut (siehe oben), und ich finde es immer sehr sympathisch, wenn bands ihr eigenes werk neu interpretieren. ein grund mag die technische umsetzbarkeit gewesen sein, die stell ich mir z.b. bei den "hate"-songs in vollem breitwandformat eher schwierig vor an kleineren veranstaltungsorten.

die beiden letzten platten, eben "universal audio" und "hate", haben sie übrigens ziemlich vollständig gespielt, ansonsten hab ich nur "the arcane model" von "peloton" erkannt (das sind auch schon die drei, die ich von den DELGADOS besitze).

costa: von der ersten haben sie nichts gespielt, aber von "the great eastern" mindestens den eröffnungstrack. ansonsten lässt mich mein gedächtnis leider im stich. wollen wir mal zusammenfassen, dass die DELGADOS eine der sympathischsten bands aus glasgow sind und großartige, perfekt ausformulierte und zeitlose musik dargeboten haben? und wir glücklich waren, oder? jetzt müssen nur ARAB STRAP auch mal wieder den weg nach wien finden...

hermann: ja, die DELGADOS waren wunderbar. und sie sollen bald mal wieder kommen, und am besten gleich drei bis fünf bands ihres labels mitnehmen: wir fordern einen chemikal underground-showcase für diese stadt!