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Zweifellos wäre es interessanter gewesen mir nach Camper Van Beethoven
in den Hintern zu treten und ein review zu schreiben, aber andere Zeiten, andere Sitten.
Camper Van Beethoven waren damals jedenfalls phantastisch, nicht nur wegen des Seltenheitswerts
einer solchen Reunion, aber auch weil's einfach ein tolles Konzert war. Jedenfalls für Menschen
denen es nichts ausmacht, dass die Songs die sie hören teils fast 20 Jahre alt sind. Einzig bizarr war
die location, da es nur Sitzplätze in der ehrwürdigen Queen Elizabeth Hall an der Londoner South Bank gab.
Dafür hatte ich einen direkt zu David Lowerys Füßen in der ersten Reihe :-).
Aber auch ohne großartige CvB hätte ich mich dann auf Cracker riesig gefreut, weil sie einfach
nette Songs schreiben die einem im Ohr stecken bleiben und zum Guten und Beständigen in, ähm,
meiner Welt gehören. Und das sollte ja für einen tollen Abend reichen..
Mit der Erwartung bin ich dann nur leider nicht weit gekommen. Tatsache ist das Cracker seit
ihrer Hochblüte auf zwei Leutchen (eben ex Camper van Beethoven Frontmann David Lowery & Gitarrero Johnny Hickman)
plus Musikern geschrumpft ist, was schon den letzten Platten ein wenig den Pep geraubt hat, und die Musik
im vergleich zu früher ein wenig ausgedünnt hat.
Mittlerweile scheint die Band wieder gewachsen zu sein, und zwar um zwei Menschen die wie
geheuerte Studiomusiker aussehen und auch agieren, und David Lowerys Bass spielende
"Cousine Peach", im Sexy-Cowboy-Chick Outfit. Sie macht beim hauptsächlich männlichen
Publikum (Schlagwort ‚receding hairline') gehörig Eindruck, ist aber auch verdammt gut
in ihrem Fach (remember Superchunk?). Auf (über) ihrer Brust findet sich auch die Kernmessage
der Band (I'm peach Bush… mmh, heißt sie nun tatsächlich mit Nachnamen Bush, wie
sie meint? Get it?) wieder, politisch eindeutig wie auch schon bei Camper van Beethoven.
Um es kurz zu machen, das Problem des Abends war, dass das neue Crackeralbum Countrysides
(und damit mehrheitlich die gespielten Songs) ein Konzeptalbum ist, das sich mit den Wurzeln
amerikanischer Countrymusik und Redneckdasein auseinandersetzt, und das das Konzert einfach
beizeiten nur von David Lowerys Charisma und feinen Stimme vom Abgleiten in - für meine
Ohren - stumpfen Country gerettet wurde. Natürlich gab's auch Haufenweise Licht
(etwa feine Covers von Kinks ‚Victoria' - remember The Fall? - und einen fein adaptierten
Punkklassiker dessen Name mir jetzt entfleucht ist), und schließlich spielte die Band auch
über zweieinhalb Stunden (und bis nach 23h!!!), aber dann fragt man sich auch warum die
Band ein Konzept mit einem Medley aus 'Take the Skinheads Bowling', ‚Pictures of Matchstickmen'
(beides CvB Klassiker und ein paar Monate zuvor unvergleichbar besser zu hören)
und ‚Low' (Cracker Hit von 1993) würzen muss.
Das Publikum (Schlagwort siehe oben) war aber jedenfalls begeistert und für die Venue
(Borderline, sagen wir mal das Londoner 'Nashville') war es ein passendes Konzert, trotzdem
persönlich nur ein 6.5 aus 10. Soll heißen: Fein war's, aber nicht so toll wie erwartet.
Ich liebe jedenfalls weiterhin meine alten und neueren Cracker CDs, wundere mich aber nicht
das ich beim Second Hand CD Laden um die Ecke das neue Cracker Album nur eine Woche nach der
Veröffentlichung gesehen hab. Hab's jedenfalls nicht gekauft.
Recommended:
>>>> crackersoul
, >>>> CvB
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