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| all tomorrows parties |
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| curated by shellac of north america |
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26. bis 28. april, 2002
ort: camber sands, uk
sms`ed by tschok
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ich muss wohl reich sein. 105 pfund für ein festival auszugeben kann einen leicht ins scheinwerfer-licht der reichen, verwöhnten konzert-geher befördern. das wären so 2251 schillinge, wenn man rechtzeitig angefangen hätte zu sparen oder 164 euro wie die rote zahl am kontoauszug sagt.
3 tage, zahlreiche meilen westlich von wien im land der einzigartigen frühstücksverbrechen, 34 bands, von denen man gerade mal 6 gut kennt, 6 beim namen und den rest: keine ahnung!
das namedropping, die cross-references, bzw das kleingedruckte führt aber alle diese bands in die arme von steve albini, bob weston und todd trainer - shellac. das reicht als überzeugung, ein musikalisches qualitäts-siegel, das einen umgarnt.
achja und reich bin ich auch, weil ich alle stunden ein kritisch-lobenswert-schizophrenes sms an das mutterschiff in wien-ottakring schickte.
FRIDAY
SHELLAC: warum seid ihr nicht hier? der wahnsinn beginnt.teppich im saal gibt dem ganzen die richtige wichtigkeit. wir zu spät, aber rechtzeitig zur fragestunde. I AM AN AEROPLANE.
BRICK LAYER CAKE: merken! shellac-schlagzeuger, die freizeit doch lieber hinterm mikro verbringend. akkorde verhallen mit düsterer stimme, halten sich an nichts fest. einmalig. ich glaub der hat was zu sagen.
FLOUR/ EX-ORKEST: festival-anstrengungNR1: treppen steigen, raum verlassen, raum betreten. kann mich nicht entscheiden. experimental oder dem rhythmus verzweifelt kopf schütteln.
MISSION OF BURMA: muss mich damit abfinden: bin eine zu spät geborene. wäre ganz nett, wenn, wenn, wenn es mir egal wäre. auf ATP-TV wartet sicher ein interessanter film.
SHIPPING NEWS: kann mich an nichts erinnern. where is my beer?
CHEAP TRICK: wenn sie mr.albini nicht lieben würde, ich wär gar nicht da. opas von der plektrum-mafia und unerklärt anhaltendem haarwuchs. die halten was sie in den 80ern versprochen haben, aber wie spät is es eigentlich? 3 bier zu früh: eine tussi meint, "this is the best rock´n´roll show ever and if you´re not enjoying it, you´re all PUSSIES." ich trage rosa unterwäsche.
SATURDAY
SHELLAC: keine worte können hier gerecht werden, keine sprache die richtige. musik die ohne vorahnung funktioniert, weil universell verträglich klänge, vor denen sich die augenlider verbeugen, als ob es nichts anderes gäbe. ES GIBT NICHTS ANDERES im jetzt!
SILKWORM: klingt wie alle anderen, komischerweise setzt sich sowas in wien nicht durch. nice guitar-player, der zu wenig singt. wenig. wenig, aber es reicht für ein "mutig".
LOW: "you see black, i see shadow." plus-punkte, der abend ist gerettet, und es is erst nachmittag. guter vorsatz für die nächsten tage: ab heute nur mehr erste reihe.
DANIELSON FAMILY: beweis, dass "familie" funktioniert! volksmusik ist folk music, ist immer humor, wenn man zusammenhält. EINS mal EINMALIG. weder musikalische vorbilder, die man beim namen kennen würde, noch vorahnen, die man kopieren könnte. pur.
RACHELS: die von dem berühmt berüchtigten "music for egon schiele" album. jaw-dropping! sigur ros unterhält sich mit godspeed you black emperor über depressionen und manisches glücklichsein.
ROBBIE FULKS: country-träumer aus dem letzten jahrhundert. interessanter versuch pj harvey zu huldigen oder zu beleidigen. kein witz, kein charme, durchgefallen. setzen. ich bring dir ´n schokoriegel mit.
SUNDAY
SHELLAC: weißt du, warum eine stunde so kurz ist? albini´s gitarre umgeschnallt wie ein sicherheitsseil. ich weiss nicht, möchte der mal präsident werden ..von, von, von .. ich wähle ihn. ich verbeuge mich. thank you shellac.
MARK ROBINSON: nicht zu verwechseln mit elliott smith, besserer haarschnitt, einfach, ruhig, unverbraucht, richtige einstellung. it´s just me and my band. our music makes a song. werde schon wieder davongetragen, wo führt das hin von der ersten reihe aus?
NINA NASTASIA: süss. schuhe ausziehen und am rande des geniessens auf den höhepunkt warten. viel wahrheit in einfachen klängen.
BONNIE PRINCE BILLY: scheiss-gott. schon wieder einer der alles kann. lieder zum zuhören, keine drogen heute. wieder ein vergessen und sich auflösen. der richtige blickwinkel im frequenzbereich verrät: this man has seen it all.
SHANNON WRIGHT: da steht ´ne schwarzhaarige frau vor mir und verschmilzt mit der gitarre. ich glaube, pj harvey muss zum nachhilfe-unterricht. shannon wright rules!
BREEDERS: kids mit krawatten hupfen unkontrolliert in den fussfreien winkeln des publikums. ich seh eine armee aus klatschenden händen. muss mir die neue von dir brennen wenn ich da wo du dort. when our sleep is over, it will be alright!
72 stunden später immer noch genug bands auf der "must see" liste, die die man zu gunsten, der oben genannten geopfert hat. u.a. arcwelder. blonde redhead. the new year. plush. pw long. achja und SHELLAC. ein must see auf lebenszeit.
und musik live hören wollen, das ist keine frage der einstellung sondern erstens des lebensstils und zweitens der ausbildung.
klar, übertreibung gehört dazu. aber, ich besuchte diese konzerte nicht, nein, ich wurde abgeholt und eingeliefert, eingewiesen chalet nummer 326, die krankenkassa hat von allem gewusst. das radio war dabei, das fernsehen, hochglanz-magazine mit klebstoff-rücken, leuchtreklamen und freunde. alles legal. öffentlich offensichtlich, massentherapie im camber sands family holiday center. und das mit der ausbildung grenzt an berufung. ich mache meinen doktor-titel mit wahnsinn wenn AUTECHRE 2003 zum ATP festival einlädt.
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