ANTONY AND THE JOHNSONS

3. november, 2005

ort: semper-depot, wien

dabei: costa

das semper depot, das zur akademie der bildenden künste gehört, diente ende des 19. Jahrhunderts als kulissen- und dekorationsdepot für hofoper und hoftheater. heute diente das beeindruckende gebäude für die eröffnungsveranstaltung der ausstellung "superstars: from warhol to madonna".

nach dem konzert von ANTONY & THE JOHNSONS im wiener rathaus im juli kursierte das gerücht antony würde schon bald wieder in wien spielen, dieses mal im burgtheater. dazu ist es nicht gekommen. statt dessen wurden ANTONY & THE JOHNSONS ins semper depot geladen.

das konzert wurde von einem (sehr, sehr) jungen mitglied der band, dem zweiten gitarristen, eröffnet. dieser brachte schönen folk und wurde bei einer nummer bereits von antony unterstützt.

hey guys! we met the president today, and we played "cripple and the starfish" to him. he seems like a sweet guy.

mit diesen worten begrüßte antony diejenigen, die sich erst gegen halb 10 eingefunden hatten und nicht an der lobhudelei diverser kulturstadträte oder bundespräsidenten auf die kulturstadt wien teilgenommen hatten. mit "sweet guy" hatte antony allerdings den österreichischen bundespräsidenten ganz gut charakterisiert...

danach spielten sich ANTONY & THE JOHNSONS durch ein set, dass sich wieder großteils aus stücken des mit dem mercury-preis-gekrönten albums "I am a bird now" zusammensetzte. ausnahmen: zumindest zwei stücke die ich nicht zuordnen konnte, die single "I fell in love with a dead boy", eine cover-version von NICO ("afraid") sowie bereits erwähnten "starfish" und "everything is new".

über antonys stimme mag es verschiedene meinungen geben - man liebt sie, oder man hasst sie - , aber es gab wohl niemanden an diesem abend, der sich nicht für die person "antony" erwärmt hätte, wie er da ständig auf das publikum eingeht, albern sein kann, ohne den clown zu "spielen" (zu "spielen" scheint antony sowieso nichts!), und eine unterhaltsame freundlichkeit anbietet, die man nicht mit "entertainer-qualitäten" bezeichnen möchte, weil das fast beleidigend klingt. hat er im sommer noch versucht gemeinsam mit dem publikum des jazz-fests einen neuen song zu komponieren, durften wir dieses mal die namen der anderen bandmitglieder singen. und selten habe ich ein publikum so bemüht erlebt harmonisch diesem anliegen gerecht zu werden. als bei "I fell in love with a dead boy" eine pause eintrat und sich antony nicht sicher war, mit welchem akkord das lied nun weiter geht, entstand eine ungeplante stille, in der sich zeigte wie hingerissen das publikum war, denn nicht ein mensch in diesem ausverkauften konzert quatschte und störte diesen moment.

im ganzen war das konzert im semper-depot intimer als das open-air im sommer. aus welchen gründen auch immer bedeutet ein ausverkauftes konzert dort bei weitem kein volles konzert. für das rauchverbot war ich sogar dankbar, denn eine lüftung scheint es dort nicht zu geben, was für ausreichend hitze sorgte, aber die war bei diesem konzert schnell vergessen.

auf dem weg zum konzert hatte ich noch zweifel, ob es wirklich sinn macht nach nur vier monaten wieder ein ANTONY & THE JOHNSONS-konzert zu besuchen. auf dem heimweg hoffte ich, es möge in vier monaten wieder statt finden.

und auf das burgtheater kann ich gut verzichten, denn da gehört antony wirklich nicht hin.


 ANTONY AND THE JOHNSONS HP >>>>